HELENE MEIER

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EINE HOMMAGE AN KATHARINA


Helene Meier bespielt mit ihrer Installation „Eine Hommage an Katharina“ bewusst eine Ecke des Ausstellungsraumes. In der Arbeit treten Malerei, Video und skulpturale Elemente in einen Dialog. An der vom Betrachter aus gesehenen linken Wand, hängt, in recht ungewöhnlich hoher Höhe ein waagrechtes Gemälde, das eine aufwändige Hochsteckfrisur, eine Art Dutt zeigt, dem ein geflochtener Zopf zugrunde liegt. Dieser Dutt befindet sich im Zentrum des Gemäldes und scheint, einem Planeten gleich, zu schweben, in völliger Abwesenheit einer zugehörigen Person. Die Leinwand wurde materialsichtig grundiert, was den Eindruck des Schwebens des Bildgegenstandes noch verstärkt. An der rechten Wand wird ein hochformatiges, größeres Gemälde präsentiert. Es ist, auf zwei kleinen Holzstücken stehend, an die Wand gelehnt. Auch auf diesem ist Haar zu sehen, allerdings handelt es sich hier um Tierfell, dass zu einer Art Fellkappe verarbeitet ist. Auch hier ist im Hintergrund die Leinwand durch eine lasierende Grundierung sichtbar und der darauf gemalte Gegenstand scheint sich gleichwohl der Flechtfrisur schwerelos im Raum zu bewegen. Weiterer Bestandteil der Installation ist die Projektion eines Videos. Projiziert wird es auf ein helles Tuch, welches über einen Holzstapel drapiert ist, so dass es seitlich wie eine kleine Leinwand bis auf den Boden herunter hängt. Das Video zeigt in einer Endlosschleife die Künstlerin in Rückenansicht. Sie flechtet sich einen Zopf, den sie aber sogleich wieder auflöst. Ein weiterer Stoff in leicht mintgrüner Farbigkeit hängt an der linken Wand, in recht großem Abstand zum Gemälde. Die einzelnen Elemente der Arbeit ergeben durch vielfache Bezüge zueinander ein großes Ganzes. Es ergibt sich ein Reigen aus inhaltlichen Aussagen und formalen Eigenschaften der einzelnen Bestandteile der Installation, die theoretisch auch als voneinander unabhängige Kunstwerke funktionierten. Helene Meier spricht von zwei Hauptachsen bezüglich der vielschichtigen und zahlreichen Bezüge der einzelnen Elemente der Installation zueinander. Zum einen ergeben sich inhaltliche und formale Bezüge vor allem zwischen dem Gemälde mit der geflochtenen Frisur und der Videoinstallation, zum anderen korrespondieren das größere der beiden Gemälde und der an der Wand hängende Stoff miteinander.
In der Stapelung des Holzes wird die Struktur des geflochtenen Haarkranzes wieder aufgenommen. Außerdem stehen die auf dem Gemälde abgeabgebildet Frisur in direktem Zusammenhang zum Akt des Flechtens im Video. Würde dieser Prozess nicht immer wieder abgebrochen, so könnte daraus der gemalte Haarkranz entstehen. Weiter bildet die Haut der Künstlerin eine Brücke zur sichtbaren Leinwand und auch die Projektion auf einen Stoff kann als Bezugnahme auf den Malgrund und dessen Sichtbarkeit wahrgenommen werden. Das mintgrüne Tuch an der Wand findet sich im Gemälde wieder, an der linken Seite der Fellmütze befindet sich ein kleines Stück Textil im selben Farbton. Das reale Tuch stimmt so überein mit dem Bild eines Tuchs, es findet sozusagen eine Übersetzung von der Abbildung zur Realität, von der Zweidimensionalität zur Dreidimensionalität statt oder umgekehrt. Wie bereits erwähnt, sind neben den beiden von der Künstlerin hervorgehobenen Bezugsachsen weitere Zusammenhänge zu finden, die die Installation als Ganzes, als Bild wirken lassen. Da ist zum einen das Holz, das neben der Struktur der Haare auch in der Präsentationsform des großen Gemäldes zum Einsatz kommt, in Form der beiden kleinen Holzstücke, auf denen das Gemälde steht. Da ist der mehrmals auftauchende Stoff, der neben der Assoziation zur Haut und der farblichen Verbindung zweiter Installationselemente auch das Thema Leinwand und Projektionsfläche aufgreift und so die Frage nach Bild und Abbild aufzuwerfen vermag. Ähnlich eines Vorhangs der zur Seite geschoben werden kann, hängt er an der Wand und dieser Prozess des zur Seite Schiebens kann mit dem des Lösens der Haare im Video in Verbindung gebracht werden. Da ist das Haar, das als menschliches und tierisches vorkommt. Und nicht zuletzt bedingt auch die insgesamt zurückgenommene Farbigkeit der einzelnen Installationselemente, deren Präsentation - der Stoff an der Wand ist im Verhältnis zu den weiteren Elementen etwas Abseits geraten, das Gemälde mit dem Haarkranz hängt ungewöhnlich hoch, während das andere leicht instabil wirkend auf kleinen Holzstücken steht – und die bereits erwähnte Schwerelosigkeit der Bildgegenstände selbst, den Gesamteindruck und die Stimmigkeit der Installation. Die Künstlerin will diesen Gesamteindruck als Text verstanden wissen, der aber nicht narrativ funktioniert, sondern durch einzelne Aussagen, die dann zusammengefügt werden.
Das Ganze, das durch dieses Zusammenfügen entsteht, beinhaltet aber auch Leerstellen, denen man beim Betrachten der Installation nachspüren kann. „Eine Hommage an Katharina“ ist eine autobiografische Arbeit, die an Helene Meiers Erinnerungen anknüpft. Es sind Erinnerungen an Sibirien, wo sie bis zu ihrem neunten Lebensjahr lebte, bevor sie mit ihrer Familie nach Deutschland übersiedelte. Danach hat sie das Land nicht mehr besucht. Mit diesem Hintergrundwissen fällt zunächst wohl das Holz, das nun als Brennholz wahrgenommen wird, ins Auge und die Pelzmütze, denn mit Sibirien wird in der Regel ein kaltes Klima assoziiert. Dies ist auch eine persönliche Erinnerung der Künstlerin, neben der an Frauen, die geflochtenen Haare tragen und die Mütze, eine so genannte Schabka. Diese Erinnerungen sind Fragmente. Als solche können sie zwar helfen, (persönliche) Geschichte zu rekonstruieren, jedoch bleiben Leerstellen, Gedächtnislücken. Fragmente und Leerstellen sind in der Installation „Eine Hommage an Katharina“ gleichwohl zu finden. Die vielfältigen Bezüge der einzelnen Elemente zueinander, können den Versuch verdeutlichen, Erinnerungen zu einem Gesamtbild zusammenzufügen. Der Installation haftet durch Farbigkeit, Aufbau und die Darstellungsweise der gemalten Gegenstände etwas Unnahbares, Diffuses an. Ähnlich ist es mit unseren Erinnerungen: Sie sind in Versatzstücken scharf, als Geschichte aber schwer zu greifen.

Bettina Göpferich